In der ersten Folge von „Mission: Solo“ wenden wir uns einem der Kennerspiel-Kandidaten aus dem Vorjahr zu, nämlich DER KARTOGRAPH. Der Autor dieses Flip-and-Write*-Spiels ist Jordy Adan und es kam 2019 im DACH-Gebiet bei Pegasus Spiele heraus. Die Illustrationen des Spieles erledigte Lucas Ribeiro.
In der ersten Folge von „Mission: Solo“ wenden wir uns einem der Kennerspiel-Kandidaten aus dem Vorjahr zu, nämlich DER KARTOGRAPH. (Foto 1) Der Autor dieses Flip-and-Write*-Spiels ist Jordy Adan und es kam 2019 im DACH-Gebiet bei Pegasus Spiele heraus. Die Illustrationen des Spieles erledigte Lucas Ribeiro.
Die Altersvorgabe liegt bei zehn Jahren und ein bis theoretisch einhundert Spieler schaffen das Spiel in etwa 30 bis 45 Minuten. (Foto 2)
Die Geschichte auf der Rückseite liest sich so:
Die nördlichen Reiche sollten endlich urbar gemacht und dem Königreich Nalos angeschlossen werden. Im Auftrag ihrer Majestät Königin Gimnax sollt ihr das Land kartieren. Doch auch die Dragul erheben Anspruch darauf. Zieht kluge Grenzen um euren Einfluss zu behaupten und entdeckt die begehrtesten Ländereien. (Foto 3)
Kurzbeschreibung
Das Spiel geht über vier Jahreszeiten (Foto 4) und jede Jahreszeit gibt vor, welche Wertungskarten abgerechnet werden. In jeder dieser vier Runden wird eine bestimmte Anzahl an Karten aufgedeckt (Flip*), die vorgeben welche Ländereien, tetrisartige Formen, in unsere Landkarte wir einzeichnen müssen (Write*). (Foto 5) Wer es, mit Blick auf die Wertungskarten, am Besten versteht, die Ländereien einzuzeichnen, der wird am Ende die meisten Ruhmespunkte zu verzeichnen haben und damit die Partie für sich entscheiden.
Auch wenn man etwa zu 90 Prozent im Mehr-Personen-Spiel alleine vor sich hinspielt, einen kleinen Ärgerfaktor gibt es doch. Es gibt im Spiel vier sogenannte Hinterhalte (Foto 6), beispielsweise eine Goblin-Attacke. Jeweils eine wird in jeder Jahreszeit in den Stapel gemischt. Wird ein solcher aufgedeckt, gibt man seine Landkarte seinem linken oder rechten Nachbarn, der Hinterhalt zeigt es an und dieser Nachbar zeichnet diesen Angriff ein, welcher teils empfindliche Minuspunkte zufügen kann.
Wie unterscheidet sich die Solovariante zum „normalen Spiel“?
Wird im Laufe der Jahreszeiten ein Hinterhalt aufgedeckt, muss man mangels Mitspieler diesen selbst einzeichnen. Die Hinterhaltskarte zeigt an in welcher Ecke ich diesen Angriff einzeichnen muss. Klar, dass ich das zu meinen Gunsten erledige, ich also möglichst wenige Minuspunkte zu erwarten habe.
Der zweite, größere Unterschied ist der, dass ich von meinem Gesamtergebnis Punkte abziehen muss. Wie viele das sind zeigen mir die Zahlen, die sich rechts unten auf den Wertungskarten in den Sternen befinden. Am Ende des Jahres vergibt die Königin dann den entsprechenden Titel, der sich von Törichter Tölpel (-30) bis zum Legendären Meisterkartographen (30+) spannt.
Meine erste Solo-Partie
Am Ende des Frühlings sollten „Goldener Kornspeicher“ und „Schildwald“ gewertet werden. Sprich, wenn ich „Acker“ über ein Ruinenfeld, oder Wasser angrenzend zur Ruine gezeichnet habe, bzw wenn ich „Wald“ am Rand der Karte zeichne erhalte ich Punkte.
Im Frühling und auch im Sommer werden theoretisch am meisten Karten aufgedeckt, nämlich im Wert von acht, siehe Fotos.
Ich schaffte es im Frühling neun Ackerpunkte, sieben Waldpunkte und ein Goldpunkt zu holen und der Hinterhalt kostete mich zwei Minuspunkte. Auf manchen Karten ist ein kleines Landschaftsfeld mit einer Münze und ein großes Landschaftsfeld zu sehen. (Foto 7) Entscheidet man sich für das kleine Teil, kann man sich eine Münze eintragen. Somit konnte ich 15 Punkte für die erste Jahreszeit eintragen. Damit befand ich mich aber immer noch im Minus, da mich jede Jahreszeit im Mittel 22,5 Punkte kostete. Aber ich habe ja bereits mit dem „Dorf“ für die D-Wertung vorgearbeitet. (Foto 8)
Der Hinterhalt kam danach aus dem Spiel, der nächste Hinterhalt kam in den Landschaftsstapel und dieser wurde wiederum gemischt.
Nun konnte der Sommer kommen. Gewertet wurde diese Runde ein weiteres Mal der „Schildwald“ und neu die „Unzugängliche Baronie“. Für letztere war es notwendig ein möglichst großes Quadrat zu „puzzeln“. Für ein 4 x 4 großes Quadrat sollte man für jede Reihe des Quadrates 3 Punkte erhalten, also 4 x 3 Punkte. Der „Schildwald“ brachte mir neuerlich „nur“ sieben, die Baronie, da ich links unten ein 4 x 4 Quadrat geschafft habe, sogar 12 Punkte. Hätte ich noch zwei weitere Felder einzeichnen können, wäre ich sogar auf ein 5 x 5 Quadrat gekommen. Goldpunkte holte ich wieder nur einen. Allerdings unterlief mir hier ein kleiner Fauxpas. Da ich rechts unten einen Berg „eingekreist“ hatte, hätte mir das einen weiteren Goldpunkt gebracht. Neuerlich zog ich einen Hinterhalt und konnte diesen aber perfekt einbauen und erhielt dadurch insgesamt nur drei Minuspunkte. Machte alles in allem 17 Ruhmespunkte. Mit momentan 32 Punkten lag ich vor dem Herbst ziemlich weit hinten, hatte ich doch im Hinterkopf, dass ich bei Spielende 90 Punkte vom Ergebnis abziehen musste. Doch habe ich mit gut platzierten Dörfern schon einiges an Vorarbeit leisten können, um doch noch einen „positiven“ Titel erringen zu können. (Foto 9)
Schon schlich der Herbst ins Land. Neben der „Baronie“ ging es nun auch um die „Schillernde Ebene“. Jedes Dorf, welches mindestens an drei weiteren Landschaften angrenzte sollte drei Punkte bringen. Davon hab ich bislang fünf regelkonform platziert, was mir wohlfeile 15 Punkte einbrachte und die Baronie konnte ich leicht vergrößern und holte auch hier 15 Punkte. Plus drei Goldpunkte und Minus zwei Hinterhaltspunkte rauschten im Herbst 31 Punkte herein. Damit kam ein Wert über Null in Sichtweite. (Foto 10)
Auf in den Winter. In der letzten Jahreszeit kommen die Wertungen D und A zum Tragen. Also nochmals die „Schillernde Ebene“, diese brachte mir schließlich sogar 18 Punkte ein und „Goldener Kornspeicher“ überzeugte nun auch mit 17 Punkten. Am Ende fiel mir mein kleiner Fehler mit den Bergen auf und schrieb nun drei weitere Münzen ein und kam damit auf sieben Münzenpunkte und mit etwas Glück ereilte mich im Herbst und nun auch im Winter kein weiterer Hinterhalt, somit wurden nur zwei Punkte in Abzug gebracht.
Schlusswertung
Insgesamt habe ich 103 Punkte schaffen können, abzüglich 90 Punkte, welche die Wertungskarten vorgaben, kam ich auf durchschnittliche 13 Ruhmespunkte. (Foto 11) Königin Gimnax ernannte mich damit zum „Reisenden Topographen“. Ich fühlte mich so richtig stolz.
Fazit
Die Anleitung ist nicht allzu umfangreich. Sie ist leicht zugänglich und die Einordnung als „Kennerspiel“ ist meines Erachtens etwas zu hoch angesetzt. Das Spiel ist in wenigen Momenten aufgebaut und meine Solopartie dauerte etwa 15 bis 20 Minuten. (Foto 12)
Man kommt sehr rasch rein ins Spiel. Karte für Karte wird aufgedeckt, je ein Teil wird jeweils eingezeichnet, rasch ist eine Jahreszeit um und zwei Wertungskarten die die Jahreszeit vorgibt werden abgerechnet. Die Soloregeln unterscheiden sich kaum von der normalen Spielanleitung, somit lässt es sich sofort losstarten.
Bei meiner Solopartie hatte ich Glück, dass in Runde drei und vier keinerlei Hinterhalte aufgedeckt wurden. Da wär ich wohl um einen Rang runtergefallen. Mein kleiner Fehler mit den Goldmünzen hatte mich wohl bloß zwei Punkte gekostet, da ich sie in dem Moment als es mir aufgefallen ist, nachgetragen habe.
Ich empfehle DER KARTOGRAPH uneingeschränkt. Mit den 16 Wertungskarten (Foto 13) und 13 Erkundungskarten (Foto 14) ist das Spiel derart abwechslungsreich, dass niemals ein Spiel dem anderen gleichen wird.
Ich denke, da wird noch so manches dazu kommen. Ein Erweiterungsblock mit zwei neuen Karten gibt es bereits seit einiger Zeit. Würde mich nicht wundern, wenn bald neue Wertungskarten, neue Erkundungskarten und völlig neue Gimmicks rauskommen. (Foto 15)
Ach ja, die angegebene Spieleranzahl bis zu 100 halte ich für einen Gag. Der Block hat zu Beginn nämlich 100 Seiten. Wenn man das Spiel allerdings mit mehr als sechs bis zehn Spielern spielt wird es ziemlich mühsam.
Ich wünsche viele schöne Stunden mit dem Spiel, ob Solo, oder mit Partner und/oder Freunden.

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